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Natura 2000
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Natura 2000 ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union, das seit 1992 nach den MaĂgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG, kurz FFH-Richtlinie) errichtet wird. Sein Zweck ist der länderĂźbergreifende Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natĂźrlichen Lebensräume. In das Schutzgebietsnetz werden auch die gemäà der Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 2009/147/EG) ausgewiesenen Gebiete integriert.cite-ref-eu-1-0[1]
Das Natura-2000-Netzwerk umfasste 2013 mehr als 18 % der Landfläche und mehr als 7 % der Meeresfläche der Europäischen Union.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3]
Contents
⢠Grundlagen
⢠Finanzierung
⢠Sonderformen
⢠Konflikte
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Grundlagen
Die FFH-Richtlinie und die Vogelschutzrichtlinie mit ihrem Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 und ihren Artenschutzbestimmungen bilden fĂźr den Naturschutz ein umfassendes rechtliches Instrumentarium zum Lebensraum- und Artenschutz im europäischen Gebiet der Europäischen Union, nicht hingegen in den auch zur Europäischen Union gehĂśrenden franzĂśsischen und niederländischen Ăberseegebieten. Sie dienen damit dem Ziel, den sowohl von der Europäischen Union als auch den Mitgliedstaaten in der Konvention Ăźber biologische Vielfalt (CBD, Rio 1992) beschlossenen Schutz der biologischen Vielfalt von Arten und Lebensräumen umzusetzen. Auf dem Europäischen Rat im Jahr 2001 in GĂśteborg beschlossen die EU-Mitgliedstaaten zudem, bis zum Jahr 2010 den weiteren Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen (2010-Ziel).
Fßr die Systematik wurde ein Ükologisch-geographisches Zonenmodell Europas und angrenzender Regionen entwickelt, die Biogeographischen Regionen der Europäischen Union. Es umfasst 11 Regionen und 5 Meeresgebiete.
besonderes-schutzgebieteuropaschutzgebiet
Ablauf des Verfahrens und Benennung
Natura 2000 ist keine einfache Weiterentwicklung des vorhandenen Bestandes an Schutzgebieten nationaler oder internationaler Kategorien, sondern wird eigenständig aufgebaut. Das dabei anzuwendende Verfahren ist in der FFH-Richtlinie detailliert festgelegt, hier stark vereinfacht dargestellt:
⢠Die Mitgliedstaaten wählen, geleitet von den Kriterien lt. Anhang III der FFH-Richtlinie, in Frage kommende Gebiete aus. Dazu zählen:
⢠Gebiete, die natßrliche Lebensraumtypen lt. Anhang I der FFH-Richtlinie (Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse) umfassen
⢠Gebiete, die Habitate der Arten lt. Anhang II der FFH-Richtlinie (Arten von gemeinschaftlichem Interesse) umfassen
⢠Die ausgewählten Gebiete werden der Europäischen Kommission vorgeschlagen (vorgeschlagene Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung, englisch: proposed sites of Community importance, pSCI). Da es ein zentrales Anliegen der EU-Kommission zur Erfßllung der FFH- und Vogelschutz-Richtlinie ist, eine einheitliche verbindliche Datenerfassung fßr alle Natura-2000-Gebiete zu gewährleisten, ist es notwendig StandarddatenbÜgen fßr alle vorgeschlagenen Gebiete zu erstellen, auf dessen Grundlage der Aufbau eines europäischen Datenbanksystems zur Verwaltung von Natura-2000-Gebieten sichergestellt werden kann.
⢠Nach einem Bewertungsverfahren und Abstimmung mit den Mitgliedstaaten legt die Kommission eine Liste der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (abgekßrzt GGB, englisch Site of Community Importance, abgekßrzt SCI) fest. Eine erstmalige VerÜffentlichung dieser Liste erfolgte im Amtsblatt der EU im Jahr 2004.
⢠Die Mitgliedstaaten sind anschlieĂend verpflichtet, diese Gebiete so schnell wie mĂśglich, spätestens jedoch innerhalb von sechs Jahren als besondere Schutzgebiete (BSG),cite-ref-bsg-4-0[4] Special Areas of Conservation (SAC) endgĂźltig unter Schutz zu stellen.
Im Unterschied dazu erlangen Gebiete, die von den Mitgliedstaaten nach den MaĂgaben der Vogelschutzrichtlinie ausgewählt wurden (Special protection areas, SPA), den Status eines besonderen Schutzgebiets unmittelbar durch ihre Meldung an die Kommission, d. h. ohne Bewertungsverfahren.cite-ref-eu-1-1[1]
Gebietstyp und -Kennzeichnung
Es ist zu beachten, dass die deutschsprachige Ăbersetzung âBesonderes Schutzgebietâ sowohl fĂźr das âSpecial Area of Conservationâ der FFH-Richtlinie als auch fĂźr das âSpecial protection areaâ der Vogelschutzrichtlinie verwendet wird, und dass der Ausdruck âSpecial protection areaâ nicht in der Vogelschutzrichtlinie selbst, sondern erst einige Jahre später in der FFH-Richtlinie geprägt wurde. Da sich auĂerdem die beiden Gebietstypen in der Fläche Ăźberschneiden dĂźrfen, haben sich zur Unterscheidung in Deutschland die Bezeichnungen FFH-Gebiet und Europäisches Vogelschutzgebiet etabliert. FĂźr die Gebiete der Vogelschutzrichtlinie ist häufig auch die mehrdeutige Kurzform âVogelschutzgebietâ anzutreffen.
Zur Identifikation erhält jedes Natura-2000-Gebiet eine europaweit eindeutige Kenn-Nummer (auch EU-Code oder Site-Code genannt). Daneben fĂźhren aber z. B. die Länder in Deutschland und teilweise die Bundesländer in Ăsterreich auch interne Nummerierungen. AuĂerdem wurde ein Buchstabencode (AâK) = Gebietstyp eingefĂźhrt, welcher die Lagebeziehung zu anderen Gebieten des Natura-2000-Netzwerkes darstellt. Die Gebietskennzeichnung erfolgt dabei auf dem auszustellenden Standarddatenbogencite-ref-5[5] u. a. durch die Festlegung eines entsprechenden Gebietstyps, dieser lautet allgemein verbindlich wie folgt:
⢠A: ausgewiesenes Vogelschutz-Gebiet gem. Vogelschutzrichtlinie
⢠B: FFH-Gebietsvorschlag ohne Ăberschneidung mit einem Vogelschutz-Gebiet (Typ A)
⢠C: ausgewiesenes Vogelschutz-Gebiet (Typ A) = vorgeschlagenes FFH-Gebiet (Typ B)
in einigen Bundesländern (z. B. in Sachsencite-ref-6[6]) werden weitere Gebietstypen verwendet, welche sich aber europaweit bisher nicht durchgesetzt haben:
⢠E: FFH-Gebiet (Typ B), das ein anderes Natura-2000-Gebiet berßhrt, welches in einem anderen Verwaltungsbezirk Typ A-C sein kann
⢠G: FFH-Gebiet (Typ B), welches Teilmenge eines Vogelschutz-Gebietes (Typ A) ist
⢠I: Vogelschutz-Gebiet (Typ A), welches Teilmenge eines FFH-Gebietes (Typ B) ist
⢠K: FFH-Gebiet (Typ B) mit teilweiser Ăberschneidung eines Vogelschutz-Gebietes (Typ A)
Die deutsche Gebiets-Kennzeichnung des Natura 2000 Site-Codecite-ref-7[7] erfolgt dabei Ăźber einen entsprechenden SchlĂźssel durch eine 9-stellige Kennziffer, welche vom Bundesamt fĂźr Naturschutz (BfN) vergeben wird. Die ersten beiden Zeichen sind mit âDEâ fĂźr Deutschland vorbelegt, die sieben folgenden Ziffern bestehen aus der 4-stelligen Nummer des Messtischblatt (TK25)cite-ref-8[8], gefolgt von einer â3â fĂźr ein FFH-Gebiet (Typ B) oder einer â4â fĂźr ein Vogelschutz-Gebiet (Typ A) sowie gefolgt von zwei Ziffern fĂźr die fortlaufende Nummerierung innerhalb des jeweiligen TK25-Messtischblattes, da mehrere kleinere Gebiete in einem Blatt auftreten kĂśnnen. Befindet sich ein Natura-2000-Gebiet wegen seiner GrĂśĂe oder wegen mehreren einzelnen Teilgebieten in verschiedenen TK25-Blättern, wird der nordwestlichste Teilbereich des Gebietes fĂźr die Benennung des TK25-Blattes (Stellen 3â6) und des Teilbereichs (Stellen 8+9) innerhalb des Blattes verwendet.
In den meisten Bundesländern Ăsterreichs werden Natura-2000-Gebiete durchweg unter der Bezeichnung Europaschutzgebiet verordnet,cite-ref-bmlfuw-natura2000-9-0[9]cite-ref-uba-natura2000-10-0[10]cite-ref-tir-natura2000-11-0[11] mancherorts im Besonderen dann, wenn es sich um Gebiete mit Schutz nach beiden Richtlinien handelt. Das Europaschutzgebiet ist in den moderneren Landesnaturschutzgesetzen auch als nationale Schutzklasse verankert.
Zeitplan und Ausbaustand
Die FFH-Richtlinie legt fĂźr die Errichtung von Natura 2000 einen genauen Zeitplan fest. Demnach sollten binnen drei Jahren nach Bekanntgabe der Richtlinie (d. h. bis 1995) die Gebietsvorschläge der Mitgliedstaaten erfolgen. Binnen sechs Jahren nach Bekanntgabe der Richtlinie (bis 1998) sollte daraus die Liste der Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung durch die Europäische Kommission erstellt werden. Daran anschlieĂend sollten die festgelegten Gebiete so schnell wie mĂśglich, spätestens aber binnen weiterer sechs Jahre, durch den betreffenden Mitgliedstaat als besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden (spätestens bis zum Jahr 2004).
Dieser Zeitplan wurde nicht eingehalten. VerzĂśgerungen ergaben sich anfangs u. a. durch fehlende MaĂstäbe hinsichtlich des Umfangs bzw. der Vollständigkeit der Gebietsmeldungen. Entsprechende Kriterien wurden erst ab 2000 auf von der Kommission einberufenen Expertentreffen erarbeitet. Die trotzdem weiter auftretenden VerzĂśgerungen veranlassten die Kommission zu Sanktionsandrohungen und Klagen gegen einzelne Mitgliedstaaten. Zusätzlichen Druck Ăźbten verschiedene nichtstaatliche Naturschutzverbände aus, indem sie aus eigener Kompetenz zahlreiche Gebietsmeldungen erstellten (sogenannte Schattenlisten), und damit die Meldedefizite der Mitgliedstaaten deutlich machten. Anerkannte und maĂstabsbildende Bedeutung erlangten dabei vor allem die Listen der Important Bird Areas, die von BirdLife International gefĂźhrt werden.
Im Jahr 2004 wurde eine noch vorläufige Liste der Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung verÜffentlicht, mit der die Umsetzung seitens der Mitgliedstaaten ein erstes festes Fundament erhielt. Daneben wurden von den Mitgliedstaaten ständig weitere Gebiete an die Kommission gemeldet. Selbst ohne Berßcksichtigung der Staaten, die erst nach 1992 EU-Mitglied geworden sind, war der Nachmeldeprozess auch im Jahr 2008 noch nicht abgeschlossen.
Periodisch aktualisierte Informationen Ăźber den Ausbaustand bietet das von der Europäischen Kommission verĂśffentlichte Natura-2000-Barometer. Demnach waren Ende 2009 in der EU insgesamt 23.810 Gebiete (marine und terrestrische) mit 716.992 km² Gesamtfläche, davon 585.533 km² Landfläche (13,5 % der Landfläche der EU) und 131.459 km² Meeresfläche als Natura-2000-Gebiete von europaweiter Bedeutung ausgewiesen; davon in Deutschland insgesamt 4675 Gebiete mit 54.342 km² Gesamtfläche, davon 34.574 km² Landfläche (9,7 % der Landfläche) und 19.768 km² Meeresfläche, in Ăsterreich 168 Gebiete mit 8978 km² Landfläche (10,7 % der Landfläche). Insgesamt entfallen mit 2010 etwa 11,6 % des Hoheitsgebietes der EU auf Gebiete von gemeinschaftlichem Interesse.cite-ref-12[12] Bis Januar 2011 kamen noch einmal fast 27.000 km² in fĂźnfzehn EU-Mitgliedstaaten hinzu.cite-ref-13[13]
Praktische Umsetzung
Die Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, in den ausgewiesenen Gebieten fĂźr einen in der FFH-Richtlinie definierten âgĂźnstigen Erhaltungszustandâ der jeweils bedeutsamen Artvorkommen und Lebensräume zu sorgen und alle sechs Jahre an die Kommission Bericht zu erstatten.
Es obliegt den Mitgliedstaaten, die jeweils geeigneten Schutzinstrumente auszuwählen. Diese kĂśnnen gesetzlicher, administrativer oder vertraglicher Art sein, wobei auch die Unterschutzstellung nach vorhandenen nationalen Kategorien mĂśglich und gebräuchlich ist â die Aufnahme in das Natura-2000-Netzwerk ist ad hoc noch keine Unterschutzstellung, sondern eine Darstellung der gemeinschaftlichen Bedeutung des Gebietes. Bereits existierende nationale Schutzgebiete oder Teile davon, die den Auswahlkriterien entsprachen, sind oft als Europaschutzgebiet gemeldet worden. Dadurch ergeben sich verschiedene Ăberschneidungen und Kombinationen von Schutzgebieten nach nationalen Schutzkategorien und eigens eingerichteten Schutzgebieten des Natura-2000-Netzwerks.
Umsetzungsdefizite in Deutschland
2015 leitete die EU-Kommission gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren ein, weil trotz des Fristablaufs im Jahr 2010 bei 2.784 der 4.606 Gebiete die Unterschutzstellung noch fehlte.cite-ref-14[14] In einer Pressemitteilung der EU-Kommission vom 24. Januar 2019 wirft sie Deutschland vor:
âDeutschland hat es versäumt, innerhalb der vorgeschriebenen Fristen 787 von 4606 Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung als besondere Schutzgebiete auszuweisen. DarĂźber hinaus hat Deutschland es auch generell und fortgesetzt versäumt, fĂźr alle Natura-2000-Gebiete hinreichend detaillierte Ziele festzulegen. Die Kommission ist ferner der Auffassung, dass Deutschland es versäumt hat, dafĂźr zu sorgen, dass die BehĂśrden in sechs Bundesländern Managementpläne aktiv und systematisch an die Ăffentlichkeit weiterleiten.âcite-ref-15[15]
Finanzierung
Die EU stellt den Mitgliedsstaaten finanzielle Hilfen fĂźr die Ausweisung der Fauna-Flora-Habitate, kurz FFH-Gebiete, zur VerfĂźgung. Lange stritten die Kommission und die Mitgliedsstaaten Ăźber die realen Kosten der MaĂnahmen. 2007 verĂśffentlichte die Kommission schlieĂlich eine Schätzung, nach der 3,4 bis 5,7 Milliarden Euro jährlich fĂźr die Umsetzung im Gebiet der EU notwendig seien. Die Kommission verwies damals darauf, dass es sich eher um die Untergrenze des Finanzbedarfs handele. Auch waren die kĂźnftigen Beitrittsstaaten noch nicht berĂźcksichtigt.cite-ref-16[16]
Sonderformen
Neben der Umsetzung der beiden zentralen Richtlinien bietet das Netzwerk auch Raum fĂźr nationale und regionale Sonderformen:
⢠Wild-Europaschutzgebiete im Land Salzburg/Ăsterreich sind speziell auf jagdrechtliche Aspekte ausgelegte FFH- oder Vogelschutzgebiete.
⢠Meeresschutzgebiete (Marine Protected Areas) stellen eine besondere Kategorie innerhalb des Natura-2000-Konzepts dar.
In Deutschland sind fĂźr die Umsetzung von Natura 2000 in den Hoheitsgewässern (innerhalb der 12-Seemeilen-Zone) die Bundesländer zuständig. Beim Bundesamt fĂźr Naturschutz arbeitet eine eigene Arbeitsgruppe an dem Programm fĂźr Meeresschutzgebiete mit dem Namen Habitat Mare Natura 2000. FĂźr Natura 2000 im Bereich der AusschlieĂlichen Wirtschaftszone Deutschlands (AWZ), die sich seewärts der 12-Seemeilen-Zone anschlieĂt und bis zu den internationalen Gewässern jenseits der 200-Seemeilen-Zone reicht, ist hingegen der Bund, vertreten durch das Bundesamt fĂźr Naturschutz und das Bundesumweltministerium, verantwortlich. Ausschlaggebend fĂźr die Ausweisung von Natura-2000-Gebieten im Meer sind das Vorkommen und die Verbreitung spezieller Arten von SeevĂśgel, Meeressäugern und Fischen, auch kĂśnnen besonders schĂźtzenswerte, international bedeutsame Lebensraumtypen wie Sandbänke und Riffe erhalten werden. Am 25. Mai 2004 meldete Deutschland der EU-Kommission 10 Natura 2000 â Gebiete in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee. Zwei der Gebiete zum Schutz von SeevĂśgeln sind seit September 2005 als nationales Naturschutzgebiet bzw. internationales Besonderes Schutzgebiet (Special Protection Area â SPA) ausgewiesen. Die Ăźbrigen acht FFH-Gebiete wurden im November 2007 von der EU als Gebiete gemeinschaftlicher Bedeutung (Site of Community Importance â SCI) anerkannt. Seit Januar 2008 ist deren Schutzstatus rechtskräftig geworden.cite-ref-17[17]
Aus Sicht des Meeresschutzes ist die Bedeutung der Gebiete schon durch Präzedenzfälle in Frage gestellt: Die geplante feste Fehmarnbeltquerung soll im Natura-2000-Gebiet Fehmarnbelt errichtet werden. Der Strukturfonds der EU soll dabei einen erheblichen Teil der Baukosten tragen.
Stellung des Natura-2000-Netzwerks im System der IUCN
Im international Ăźblichen System der Management-Kategorien der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) ist das Natura-2000-Netzwerk nicht festzumachen:cite-ref-frank-2006-18-0[18] Die Kommission hat es den Mitgliedern der EU freigestellt, wie das unionsrechtlich verankerte Interesse in MaĂnahmen des Schutzgebietsmanagements umgesetzt wird. Je nach Schutzgut und -ziel sind unterschiedliche Schutzregime, von der vollkommenen AuĂernutzungstellung bis zu aktiven MaĂnahmen zur Erhaltung einer Art oder eines Lebensraumes, sinnvoll und mĂśglich.cite-ref-zit-frank-2006-19-0[19] Die rechtlichen Grundlagen der Gemeinschaften sehen nur ein Verschlechterungsverbot vor, manche Staaten â wie Ăsterreich â fokussieren ihre nationalen SchutzmaĂnahmen auf âWiederherstellungâ und âErreichung eines gĂźnstigen Erhaltungszustandesâcite-ref-tnschg-20-0[20] (positiver Erhaltungsgedanke). In einigen Ländern erfasst das Natura-2000-Netzwerk nur streng geschĂźtzte Gebiete, andere haben auch land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen mit aufgenommen.cite-ref-zit-frank-2006-19-1[19] Zahlreiche der Gebiete sind auch nationalen Schutzkategorien zugeordnet, und so zwischen IUCN II National Park (âprotected area managed mainly for ecosystem protection and recreationâ) bis zu V Protected landscape (â⌠managed mainly for landscape/seascape conservation and recreationâ) einzuordnen, Natura-2000-Gebiete haben aber mit dem Wildnisgedanken (unberĂźhrter Natur, IUCN I) des klassischen Naturschutzes von ihrem Schutzkonzept her nichts zu tun.
Daneben hat eine Arbeitsgruppe der Ministerkonferenz zum Schutze des Waldes in Europa (MCPFE) ein â spezifisch europäisches â Klassifikationsschema Assessment Guidelines for Protected and Protective Forest and other Wooded Land in Europe (MCPFE-Schutzgebietsklassen) fĂźr Waldschutzgebiete erarbeitet, dass unter Klasse 1.3. âConservation through active managementâ (deutsch: âErhaltung durch aktives Managementâ) vorsieht â aber selbst diesem Konzept entspricht das Natura-2000-Netzwerk in seinem Anliegen, âdie biologische Vielfalt in den Mitgliedstaaten durch Festlegung eines gemeinsamen Rahmens fĂźr die Erhaltung der wildlebenden Pflanzen und Tiere und der Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse aufrechtzuerhaltenâ,cite-ref-eu-1-2[1] nicht â die konkrete Kriterienliste entspricht eher dem Welterbe-Gedanken der UNESCO.
Nationale Umsetzungen
Ende 2013 waren 27.308 SCI- und SPA-Gebiete mit 1.039.332 km² ausgewiesen, 787.767 km² Landfläche, 251.565 km² Meeresgebiet. Das sind 23 % der Staatsfläche (EU-28).cite-ref-21[21] Spanien war zu der Zeit europaweit fĂźhrend im AusmaĂ der insgesamt geschĂźtzten Fläche (rund 148.000 km², 29,3 % des Staatsgebietes), ein GroĂteil davon liegt im Nationalpark Coto de DoĂąana. Frankreich an 2. Stelle hatte rund 111.000 km² ausgewiesen. Das dichteste Netz in Relation zum Staatsgebiet hatte Malta (rund 74 % der Staatsfläche geschĂźtzt). Bei den Seegebieten hatte GroĂbritannien mit rund 74.000 km² die umfangreichste Fläche, und Malta mit rund 61 % die hĂśchste nationale Dichte.
⢠In Deutschland wurde Natura 2000 mit der Umsetzung in nationales Recht innerhalb des Bundesnaturschutzgesetzes im April 1998 sowie mit den Novellen des BNatSchG 2002 und 2007 rechtsverbindlich. Da Naturschutz in Deutschland Ländersache ist, sind die einzelnen Bundesländer fßr die Ausweisung von FFH-Gebieten zuständig. Ausnahme ist die Deutsche AWZ; fßr Meeresschutzgebiete (MPA) in diesem maritimen Bereich ist der Bund und damit das BfN zuständig.
⢠Zu Ăsterreich, wo Natura 2000 im Landesnaturschutzrecht umgesetzt wird, siehe Europaschutzgebiete in Burgenland, Kärnten, NiederĂśsterreich, OberĂśsterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Wien.
⢠Schweden setzt Natura 2000 ebenfalls nach und nach um. Fßr Schweden sind 90 Lebensraumtypen gelistet und dazu ca. 100 gefährdete Tier- und Pflanzenarten aus den Anhängen 1 und 2.cite-ref-22[22] Sämtliche schwedischen Natura-2000-Gebiete sind als Reichsinteresse klassifiziert.cite-ref-23[23]
Stand Ende 2021 waren 27.031 SCI- und SPA-Gebiete mit 1.219.403 km² ausgewiesen, 766.920 km² Landfläche sowie 452.494 km² Meeresgebiet.cite-ref-24[24]
Konflikte
In ganz Europa ist die Ausweisung des Netzwerkes mit Nutzungskonflikten verbunden. Deshalb ist die nationale Umsetzung auch sehr unterschiedlich erfolgreich. Naturschutzverbände wiesen immer wieder auf die Degradation von FFH-Gebieten durch direkte ZerstÜrung, Landschaftszerschneidung oder Qualitätsminderung hin.
Beispiele:
⢠Im Januar 2019 hat die Europäische Kommission Spanien wegen Nichteinhaltung der Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) beim Gerichtshof der Europäischen Union angeklagt, da die GrundwasserkĂśrper, welche die Feuchtgebiete von DoĂąana speisen, nicht genĂźgend von der Nutzung durch die Landwirtschaft und den Tourismus geschĂźtzt werden.cite-ref-25[25] Der WWF Spanien hat diesbezĂźglich bereits im April 2010 eine Beschwerde eingereicht, woraufhin die Europäische Kommission im November 2014 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien eingeleitet hat. Im Klageverfahren der EU-Kommissioncite-ref-26[26] vor dem Europäischen Gerichtshof, dem obersten rechtsprechenden Organ der EU, urteilte das Gericht 2021, Spanien tue nicht alles, um den Nationalpark Coto de DoĂąana zu schĂźtzen und sprach von âĂźbermäĂiger Entnahme von Grundwasserâ.cite-ref-27[27] Die Rettung des Feuchtgebiets wurde damit noch nicht erreicht, so dass die IUCN 2023 das Feuchtgebiet aus ihrem Katalog der gut gemanagten Naturschutzgebiete strich.cite-ref-28[28]
⢠Der laut Euronatur wichtigste Zugvogel-Rastplatz an der Adria-OstkĂźste soll durch die Saline von Ulcinj in Montenegro fĂźr mindestens 257,8 Millionen Euro verkauft werden. Damit droht die Degradierung des global bedeutenden Feucht- und eines kĂźnftigen FFH-Gebiets. Im Rahmen der Privatisierung des einstigen Staatsbetriebs 2005 hat das Unternehmen Eurofond 75 Prozent des Betriebs fĂźr 800.000 Euro vom Staat Montenegro Ăźbernommen. Dazu zählt auch das 14,5 Millionen Quadratmeter groĂe Salinengelände, das nun Bauland werden soll. FĂźr Montenegro wurde mit UnterstĂźtzung der deutschen Bundesregierung und der Deutschen Gesellschaft fĂźr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) 2007 ein Raumplan (2005â2020) erstellt, der auch FFH-Gebiete vorsah. Der Beitrittskandidat Montenegro änderte 2012 die vorgesehene Nutzung des Gebiets.
⢠In dem 1998 ausgewiesenen Natura 2000 MPA Fehmarnbelt entsteht nach dem Willen der deutschen und der dänischen Regierung die Feste Fehmarnbeltquerung.
⢠Im Vogelschutzgebiet Talsperre ValdecaĂąas wurde 2007 bis 2011 eine Ferienanlage bestehend aus einem Luxushotel, einem Kongresszentrum, einem 18-Loch-Golfplatz, 186 Villen plus 380 vorbereiteten und baubereiten VillengrundstĂźcken, einem kĂźnstlichen Strand, einem Yachthafen, Sportplätzen und anderen Einrichtungen mit Genehmigung der RegionalbehĂśrden illegal errichtet. Die Umweltorganisation Ecologistas en AcciĂłn (UmweltschĂźtzer in Aktion) klagte 14 Jahre lang gegen das Projekt. Der Oberste Gerichtshof in Madrid urteilte dann im Februar 2022, dass die Anlage komplett abzureiĂen sei. Der Abriss soll mindestens 34 Millionen Euro kosten. Dazu kommen finanzielle Entschädigungen in geschätzter HĂśhe von 111 Millionen Euro.cite-ref-29[29]cite-ref-30[30]cite-ref-31[31]
Siehe auch
Verzeichnis:
Literatur
⢠Hansjakob Baumgartner: Biber, Wolf und WachtelkÜnig. 23 Wildtiere des Smaragd-Programms. Haupt, Bern/Stuttgart/Wien 2007, ISBN 978-3-258-07007-0.
⢠Tobias Garstecki et al.: Natura 2000 Award â Environmental Benchmarking Report. adelphi, Berlin 2015 (Zusammenfassung und Download PDF).
⢠Martin Gellermann, Claus Carlsen (Hrsg.): Natura 2000. Europäisches Habitatschutzrecht und seine Durchfßhrung in der Bundesrepublik Deutschland. In: Natur und Recht. Band 4, 2., erweiterte und berichtigte Auflage. Springer, Berlin/Wien 2001, ISBN 3-540-40563-1.
⢠Ahmet Mithat Gßnes: Das Schutzregime der FFH-Richtlinie und seine Umsetzung in nationales Recht. Shaker, Aachen 2007, ISBN 978-3-8322-6829-9 (Zugleich Dissertation an der Universität Bielefeld, 2007).
⢠Cesare Lasen, Thomas Wilhalm; Autonome Provinz Bozen-Sßdtirol Abteilung Natur und Landschaft (Hrsg.): Natura 2000 Lebensräume in Sßdtirol. In: Naturschutz in Sßdtirol. Autonome Provinz Bozen-Sßdtirol Abteilung Natur und Landschaft, Bozen 2004, ISBN 88-900534-3-7.
⢠C. Mayr: 25 Jahre EG-Vogelschutzrichtlinie in Deutschland. Bilanz und Ausblick. In: Natur und Landschaft. Band 79, Nr. 8, 2004, S. 364â370.
⢠C. Mayr: Europäische Schutzgebiete in Deutschland. Eine (fast) unendliche Geschichte. In: Der Falke. Band 55, Nr. 5, 2008, S. 186â192.
⢠Axel Ssymank, U. Hauke, C. Rßckriem, E. SchrÜder unter Mitarbeit von Doris Messer: Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. BfN-Handbuch zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und der Vogelschutz-Richtlinie (= Schriftenreihe fßr Landschaftspflege und Naturschutz. Band 53). 1998, ISBN 3-89624-113-3 (560 Seiten).
⢠Sarah Sach: Natura 2000 â RĂźckgrat des europäischen Naturschutzes. In: Sachsen-Anhalt-Journal. Band 26, Nr. 4, 2016, S. 21â23 (lhbsa.de).
Weblinks
Commons
: Natura 2000
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Allgemein
⢠Natura 2000 Barometer. Generaldirektion Umwelt (DG ENV) der Europäischen Kommission â Nature & Biodiversity, ec.europa.eu (englisch)
⢠Building the Natura 2000 network. European Topic Centre on Biological Diversity (Eionet), bd.eionet.europa.eu (ßber den Aufbau des Systems)
⢠Dossier zu Natura 2000. Waldwissen.net â Fokus auf Deutschland und Ăsterreich
Materialien und Karten
⢠Natura 2000 Viewer (natura2000.eea.europa.eu) â Online-GIS
⢠eunis.eea.europa.eu, EUNIS database
⢠Schutz der biologischen Vielfalt in Europa (Natura 2000). Zusammenfassung der Gesetzgebung. In: EUR-Lex. Amt fßr VerÜffentlichungen der Europäischen Union, 21. Februar 2017; abgerufen am 12. März 2021.
⢠Natura 2000: Birds and Habitats Directives. eea.europa.eu â Data and Maps (Karten der Gebiete aller Staaten)
Deutschland
⢠Kompendium zu Natura 2000, Biodiversität im Wald und Klimawandel â Seite der LWF
⢠Hochschulausbildung im Bereich Natura 2000 der Fakultät Wald und Forstwirtschaft der Fachhochschule Weihenstephan
⢠Natura 2000, Bundesamt fßr Naturschutz
⢠Natura 2000 â mit Suchfunktionen nach Arten und Lebensraumtypen einschl. Verbreitungskarten
⢠Natura-2000-Gebiete in Nordrhein-Westfalen â Seite des MKULNV Nordrhein-Westfalen
⢠Natur erleben NRW, 200 ausgewählte Natura-2000-Gebiete mit vielen Details, Bildern und Videos
⢠App in die Natur NRW, mobile App des Landesamtes fßr Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen mit vollständiger Auflistung der Natura-2000-Gebiete, verfßgbar fßr Android, iOS, Windows Phone und als Web-App
Ăsterreich
⢠Das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000, Umweltbundesamt
⢠Natura-2000-Gebiete im Burgenland
⢠Natura 2000 in NiederÜsterreich
⢠Natura 2000 im Land Salzburg
⢠Natura 2000 im Land Steiermark
⢠Natura 2000 Tirol, mit nationaler Liste und Karte
⢠Natura-2000-Netzwerk in Vorarlberg
⢠Natura-2000-Gebiete in Wien
Italien
⢠Aree naturali protette e Rete Natura 2000, Ministerium fßr Umwelt und Energiesicherheit
Einzelnachweise
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cite-note-66. â Leseanleitung fĂźr Standard DatenbĂśgen der Gebiete nach der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) und der Vogelschutz-Richtlinie (79/409/EWG) in Sachsen
cite-note-77. â Natura 2000 sites designation
cite-note-88. â Ăbersichtskarte: Topographische Karten (MeĂtischblätter) Deutschland 1:25000, 1870â1943
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cite-note-1313. â Presseportal âEuropa vor Ortâ der Europäischen Kommission, 10. Januar 2011 Europäische Naturschutzgebiete wachsen weiter (Memento vom 21. August 2011 im Internet Archive)
cite-note-1414. â Pressemitteilung des Nabu vom 24. Januar 2019, Abruf am 20. März 2019
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cite-note-2828. â Reiner Wandler: GrĂźne Liste streicht DoĂąana-Park. Naturschutzgebiet in Spanien. taz, 18. Dezember 2023; abgerufen am 19. November 2024.
cite-note-2929. â Jacqueline Haddadian: Spektakuläres Urteil: Luxusresort mit 185 Villen, Hotel und Golfplatz muss komplett abgerissen werden. In: stern.de. 18. Februar 2022, abgerufen am 1. Februar 2024. Spektakuläres Urteil: Luxusressort mit 185 Villen, Hotel und Golfplatz muss komplett abgerissen werden
cite-note-3030. â Alfonso SimĂłn Ruiz: Ladrillo contra natura: de la Isla de ValdecaĂąas al Algarrobico y tiro porque me toca. CincoDiĂĄs, 11. Februar 2022; abgerufen am 11. Februar 2022 (spanisch).
cite-note-3131. â Ălvaro Hermida: La victoria de David (Ecologistas) frente al Goliat del resort de ValdecaĂąas. El Confidencial, 8. Februar 2022; abgerufen am 11. Februar 2022 (spanisch).